Anstieg der Autismusfälle – Grund zur Sorge?

Immer wieder wird in den Medien berichtet, dass die Fälle von Autismus stark ansteigen. Die Grundlagen für solche Schlagzeilen bilden Studien aus den Vereinigen Staaten von Amerika. Diese zeigen, dass die Anzahl der Autismusdiagnosen seit den frühen 1990er Jahren jedes Jahr stark ansteigen. Doch bedeutet dies tatsächlich, dass es mehr und mehr Autisten gibt?

Der Ursprung einer Diagnose

Autismus ist noch eine relativ junge Diagnose. Sie wurde 1911 zum ersten Mal vom Schweizer Psychologen Eugen Bleuler beschrieben. Später wurde die Erkrankung von Hans Asperger und Leo Kanner genauer beschrieben und erforscht. Deren Literatur blieb aber für Jahrzehnte unbeachtet, auch weil sie mehrheitlich auf Deutsch verfasst wurde. Erst in den späten 1980er Jahren wurden die Werke von Hans Asperger ins Englische übersetzt. Unter dem Begriff Asperger-Syndrom wurde die Krankheit dann in Fachkreisen immer bekannter. Dies erklärt, warum zu Beginn der 1990er Jahre noch kaum Krankheitsfälle diagnostiziert wurden. Mit zunehmender Bekanntheit der Diagnose nahm auch die Zahl der Diagnosen stetig zu. Gleichzeitig mit dem Anstieg der Autismusdiagnosen gingen die Diagnosen der kindlichen Schizophrenie und Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung stark zurück. Es ist also wahrscheinlich, dass an Stelle dieser Krankheiten heute häufig die Diagnose Autismus gesetzt wird.

Unscharfe Bezeichnung

Als psychologische Diagnose ist die Beschreibung von Autismus sehr unscharf. Zu den typischen Symptomen gehören per Definition Probleme im Umgang mit anderen, Kommunikationsprobleme und eingeschränkte Interessen. Diese Symptome sind jedoch nicht klar fass- oder gar messbar. Was der eine als Kommunikationsprobleme sieht, ist für den anderen normal. Somit ist es möglich, dass viele andere Erkrankungen oder auch eine normale Entwicklung fälschlicherweise als Autismus diagnostiziert werden.

Die Ursachen des Autismus

Die Ursachen des Autismus sind bis heute nicht geklärt. Umweltgifte oder Impfstoffe, die im Verdacht standen, Autismus auszulösen, wurden von der Wissenschaft zweifelsfrei als Ursache ausgeschlossen. Allerdings gibt es Indizien dafür, dass es sich um eine genetische Erkrankung handelt. So wird Autismus zum Beispiel bedeutend häufiger bei männlichen Patienten festgestellt.